Takeaways from this years #TNWeurope

Takeaways from this years #TNWeurope

geschrieben von mike

Wer an der diesjährigen “The Next Web” Konferenz war, konnte mehr als “nur ein bisschen networken.” Über 10’000 Besucher drängten sich am 26. und 27. Mai täglich um Kaffeestände und Tokkenausgabestellen (Tokken = das interne, von allen verfluchte Bezahlsystem). So auch ich, brauchte ich doch einen wachen Geist, um all die spannenden Informtionen aufzunehmen. 

Das lange Anstehen (und das nicht ganz so preiswerte Eintrittsticket) wurden mit spannenden Talks und jeweils fulminanten Intros, welche eher an Rockkonzerte als an Techconfs erinnerten, belohnt.

Die Konferenz selber war weniger darauf ausgerichtet, die allerneusten Technologien zu präsentieren (auch wenn diese natürlich nicht fehlten, Zusammenstellungen hier und hier), sondern eher dazu, Vorhandenes zu verstehen und einordnen zu können. Und das Konzept funktioniert, laut laut TNW-Founder Boris Veldhuijzen van Zanten war die Besucherschar dreimal so gross wie letztes Jahr. Wie wichtig diese “Grundlagenarbeit” ist, hat Jeff Jarvis deutlich gemacht: Vergleicht man das Internet mit Gutenbergs Buchdruckmethode, stehen wir gerade mal im Jahre 1480. Wir alle haben keine Vorstellung, was das Internet kann, was es ist und was es einmal sein wird. 

Neben den inspirierenden und spannenden Talks war diese im Alltag fehlende Reflektion mit ein Grund, weshalb ich als Abgesandter von Hofrat Suess an dieser Konferenz teilnehmen konnte. Nicht immer nur dem letzten Schrei in der Techwelt nachrennen, sondern das bereits Bestehende und Erreichte verstehen lernen und darauf aufbauend “thinking outside of the box” zu weiteren Lösungsansätzen gelangen. 

Folgend eine Zusammenstellung, was ich so alles erfahren und erlebt habe:

1) Sharing is Caring (still)

Sharing Economy und Online-Trustbuilding sind immer noch ganz hoch im Kurs und werden das auch in nächster Zeit bleiben. Victor van Tol von Snappcar und Nicolas Brusson von BlaBlacar haben beide vom Digital Trust als wichtigstem Bestandteil der Sharing Economy gesprochen. Vertrauen als höchstes Gut - auch digital! - bedeut für die Anbieter, das grösstmöglichste Mass an Vertrauen auszustrahlen. 

Digitales Vertrauen ist aber nicht gleich zwischenmenschliches Vertrauen (unter Freunden und Bekannten) oder dem Vertrauen in einen Staat. Beim digitalen Vertrauen geht es um sogenanntes “Trust Capital”: Je mehr Nutzer dich als vertrauenswürdig bewerten, desto mehr (neue) Nutzer werden dir ebenfalls vertrauen. Blablacar konnte in einer Studie feststellen, dass ein vollständig ausgefülltes Profil und eine Verifizierung durch ein vertrauenswürdiges und solides Unternehmen das Vertrauen der Kunden massiv erhöhen. Menschen vertrauen in dieser Konstellation sogar eher einer ihnen “fremden” Person als einem Arbeitskollegen. Digitales Vertrauen kann also bewusst eingesetzt und gefördert werden. 

2) How to build mobile products of the future

Anna Chennapragada, Director Google Now, brachte einen interessanten Ansatz aufs Parkett: Nahezu jedes Problem aus der “realen Welt” könne mit einer AI-Lösung angegangen werden. Dazu stellte sie folgende Formel vor:

AI (the intelligence) + UI (how to use this intelligence) + I (yourself, the people)

Das ist natürlich sehr vereinfacht dargestellt und in der Praxis nicht immer so leicht umsetzbar. Der Ansatz, nach welchen Google agiert, besteht darin, Probleme zu lösen, welche für AI einfach, für Menschen aber schwierig sind. Daraus resultieren zum Beispiel Sprachübersetzungsprogramme. Immer im Zentrum steht dabei der User und sein Verhalten: Wer sind die Nutzer, was brauchen sie und was beschäftigt sie? Die Antworten darauf variieren in verschiedenen Ländern und Regionen, je nach Ereignissen und Saisons. Konstantes Feedback ist also unersetzlich, aber nicht immer einfach zu bekommen. Gerade Services, bei welchen der User nicht interagiert (z.B. Push Notifications) ist eine wirkliche Auswertung und Analyse schwierig. Wichtig ist zudem, den Nutzer aktiv auf die Vorteile hinzuweisen, wenn er bereit ist, Informationen von sich preiszugeben (z.B. locationbased Apps).

3) Social Media

Auch Social Media bekam viel Raum an der diesjährigen TNW, besonders faszinierte mich dabei das Startup Superphone von Ryan Leslie, welcher “audience participation/influence”aufs nächste Level heben möchte. Twitter, Instagram, Snapchat etc. seien zwar praktisch, aber ihnen fehlt der wirkliche Austausch mit der Fanbase. Dank Superphone hat er über 50’000 Gespräche gleichzeitig und bekommt darüber hinaus Informationen seiner Nutzer, welche er über Twitter oder FB nie erhalten würde.

Ebenfalls interessant war der Ansatz von MIT Media Guru Ethan Zuckerman: Obwohl Facebook dazu da sei, sich mit der Welt zu vernetzen, befreunden wir uns doch immer nur mit Menschen, welche wir bereits schon kennen. Daher rührt eine immer stärkere Regionalisierung in den Beziehungen, Nachrichten und Schwerpunkten, was eine internationale Lösung von Konflikten je länger je mehr schwieriger macht.

4) Die Krux mit der Masse

Klassische Medien behandeln ihre Kunden immer noch als Masse. Der springende Punkt dahinter ist, dass Menschen keine Masse sind, sondern alles Individuen. Social Media hat dabei die traditionellen Medien verdrängt und in eine Krise geführt. Und dabei darf nicht ausser acht gelassen werden, dass wir immer noch nicht wissen, was das Internet eigentlich ist. Zwischen der Erfindung des modernen Buchdruckes 1480 und der “Erfindung” von Tageszeitungen lagen 150 Jahre. Dem gegenübergestellt verdeutlicht das Zitat von Jeff Jarvis

“In Gutenberg time we are in the year 1480, we don’t know what the fuck the internet is yet. It is far to soon to think we can create rules and regulations about how this should operate because we barley begun to experiment and figure out what it ougtha be.”

In dieser Hinsicht müssten sich die klassischen Medien und der Journalismus neu erfinden. Das gleiche Problem stellt sich zum Beispiel auch in der Bildung: Diese ist ebenfalls ein Massenprodukt. Jeder Student erhält in seiner Fachrichtung die selbe Ausbildung, um danach den ewig gleichen Job zu machen. Mit diesem Ansatz sind Erfindungen wie Google undenkbar. Die Lösung bestünde laut Jeff  darin, den Menschen WIRKLICH ins Zentrum zu stellen. Niemand auf der Welt sieht das gleiche Facebook, keine zwei Smartphones sind identisch in ihrem Inhalt, jedes digitale Produkt ist individualisiert. Dahingehend soll, insbesondere in den Medien, eine neue Beziehungsstrategie zu den Usern erstellt werden, in welcher das Zuhören im Mittelpunkt steht. Nicht mehr Content soll den Ausgangspunkt bilden, sondern  Communities (welche sich selbst als solche definieren). Menschen müssen als Individuen (und Mitglieder von selbst gewählten Communities) gesehen werden, nicht als gesichtslose Masse (“Millenials” als Community zum Beispiel sind ein externes Produkt der Medien).

5) Crowdstorm

Dirk Ahlborn, CEO von Hyperloop Technologies, hat zwar auch den Fortschritt des modernsten Transportmittels vorgestellt, viel interessanter war jedoch der Aufbau der Firma dahinter. Crowdfunding war gestern! Heute wird eine ganze Organisation mittels der crowd aufgebaut. Löhne gibt es keine, dafür stock options für alle, welche im core team mitmachen. Definitiv eine Organisationsform der Zukunft!

6) Not too serious

Auch in der Digital Bubble sollte man sich nicht allzu ernst nehmen. Pep Rosenfeld, Co-Founder des Comedy Clubs Boom Chicago Amsterdam und Moderator an der TNW hat dies mit seinen Startup Roasts auf den Punkt gebracht. Grossartig war seine Vorstellung von Startup Begriffen, welche es nicht gibt, aber unbedingt eingeführt werden sollten:

7) Celebrities

Auch Stars und Sternchen haben auf der Bühne nicht gefehlt. Casey Neistat, Filmmacher aus New York und Youtube Professional hat dabei einen sehr eindrücklichen Talk über seinen Werdegang und die Zukunft der Medien gehalten. Bereits sein Einstand in Amsterdam war sehenswert:

Der Name Casey Neistat sagt euch nichts? Dann erinnert ihr euch sicher an folgendes Video:

8) TNW Infrastructure

Die Location ist einmalig: Gelegen im Westerpark in der Westergasfabriek, einem ehemaligen Gaswerk und heutigen Kulturzentrum, war die Konferenz eine Mischung aus Open Air Festival und Business-Konferenz. Weniger grossartig war das Bezahlsystem. Dass eine Tech-Konferenz im Jahr 2016 immer noch auf ein physisches Bezahlungsmittel setzt, ist ein schlechter Witz. An Automaten konnte man per Kreditkarte (immerhin...) sogenannte Tokkens beziehen, mit welchen man alles fürs leibliche Wohl bezahlen konnte. Dass es vor allem am ersten Tag für den Andrang viel zu wenig Automaten gab, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Die eigene Conference-App mit internem Messenger, Kalender und Karte war super, hätte aber doch mit einem NFC-Bezahlsystem ergänzt werden müssen.

9) Und zu guter letzt...

Bist du gerade am Krapwerken und hast das Bedürfnis, etwas Sinnvolleres zu machen? Dann schau dir doch hier alle Talks der diesjährigen TNWeurope an:

til volgend jaar, Amsterdam!