Jodel-i-duhh. Die Studentenapp eignet sich auch für Marketing. Und es ist sooo easy!

Jodel-i-duhh. Die Studentenapp eignet sich auch für Marketing. Und es ist sooo easy!

geschrieben von kristina

Nebst Snapchat gibt es noch eine andere App, die der Jugend der Kopf verdreht: Jodel! Klar, dass bei diesem Namen junge Schweizerinnen und Schweizer aktiv mitmachen. Gerade in Universitätstädten wie Zürich, Basel und Bern ist die App sehr lebendig und beliebt.

Ob die App für zukünftige Social-Media-Strategien was taugt, was so gejodelt wird und ob ich alter Knochen überhaupt noch damit umzugehen weiss, habe ich an einem Regenwochenende für dich getestet. Und so viel sei gesagt: Es wird dich überraschen! Aber beginnen wir von Vorne.

Was ist Jodel überhaupt?

Die Erklärung vom App selber dazu? Voilà.

Ich als alter Social-Media-Hase würde es in etwa so formulieren: Ein anonymes Twitter, ohne Suche, ohne Links und ohne Profile. Dafür mit farbigen Kacheln und viel Karma, und die Hollereidüliöö-Jodler sind ortsbasiert.

Die Handhabe ist unkompliziert: Man öffnet die App (ohne Login) und jodelt drauf los. Gut kommen politisch unkorrekte Statements an, alles rund um Sex (wie gesagt, Zielgruppe ist 14-25) und natürlich Katzenfötelis an. Posts werden mithilfe von GPS nur in der entsprechenden Gegend gezeigt (ich sehe in Bern also andere Jodels als in Zürich). Einzelne Jodels können von User ^ up und v down gevotet und kommentiert werden. Die App selber ist in drei Spalten unterteil: die neusten Jodeln, die meist kommentierten und die best gevoteten.

Je mehr man mit seinen Actions den Nerv der Community trifft, desto besser wird das eigene Karma. Für ältere Menschen (also 25+) empfehle ich folgendes Verhalten: Trinke mind. 3 Tequilla-Shots und jodle erst dann. Du wirst so automatisch Niveau und Grammatik der Zielgruppe erreichen und kannst dich - Anonymität sei Dank - unauffälllig umschauen und im besten Fall sogar integrieren.

So viel zur Theorie. Doch was fängt ein Social-Media-Manager (also du) damit überhaupt an?

Viel. Hier kannst du die Community nämlich alters- und ortsspezifisch ansprechen - der feuchte Traum aller Digitalmarketeers und Werbemenschen. Alessio Avellan Brogmeyer, der Gründer von Jodel, schliesst dies aber explizit nicht aus:

"Am offensichtlichsten ist natürlich lokales Advertising. Studenten sind eine höchst attraktive Zielgruppe für viele Unternehmen."

Aber lass uns Werbung einfach “Native Content” nennen und lass uns hoffen, dass Brands irgendwann ein echtes Interesse daran haben, mit ihren Zielgruppen einen ehrlichen Austausch zu pflegen... Bist du selber nicht genug kreativ oder jung, fragt doch einfach deinen jungen Cousin. Ab und zu etwas zu posten ist einfach und unauffällig (Anonymität hallo!) - meine Empfehlung: Ausprobieren, mit Spass und der Offenheit für Neues einfach loslegen. Das schaffen doch alle :)

Quelle: http://giphy.com/gifs/soccer-futbol-switzerland-nt-JgsGf5JPGDi80

Hier ein paar Ideen für Social-Media-Strategien: Ein Restaurant kann Foodbilder (in schlechter Qualität und mit lustiger Caption) posten, Brands können ihre Produkte als neue Errungenschaften der Jugend posten (*wackeliges Nike-Bild* Caption: “I ha se eifach müehse ha!!”), es können Fragen so formuliert werden, dass man sein Produkt als Lösungsidee anpreisen kann (“hey, wo göht dr hüt i Usgang?” “I gange ids Vior, wird schins heiss hüt”) usw. Es ist wirklich so einfach, denkt nicht zu weit! Zu verlieren gibt es so gut wie nichts, ausser natürlich, man überhäuft die Community mit Werbung. Dann sinkt dein Karma auf null. Und dass willst du doch nicht, dein Karma gegen Geld zu opfern, oder?!??

Berufsbild: Jodel-Berater: Das darfst du auf keinen Fall machen!

  • Reposts! Sie sind von der Community geächtet. Hast du mal einen lustigen Post zu deinem Brand formuliert: schön. Wiederhole ihn aber nicht.
  • Und einfach von andren kopieren war noch nie wirklich lääs...
  • Zu cleanen Content posten. Je echter und dreckiger, desto besser. - Wie, eure Corporate Communications Guidelines sagen, dass man das nicht darf? Nun ja, genauso sympathisch, verständnisvoll und nahe bei eurer Zielgruppe seid hier halt #nicht
  • Mit einem Brand auftreten, das nichts mit der Zielgruppe zu tun hat.
  • Aussagen und Antworten persönlich nehmen. Wahrscheinlich wirst du wegen deines Geschmacks und deines Dialekts gedisst.
  • Plakatives Produkteplatzieren. Niemand will 10 Red Bull Dosen pro Tag sehen #esischnumeesbispiu
  • Hochdeutsch posten. Schon bei fremden Dialekten wird down-voting und Shaming betrieben, bei Fremdsprachen bist du dein Karma wahrscheinlich schneller los, als du Chuchichästli korrekt aussprechen kannst.

So, ich freue mich jedenfalls schon, Jodeln für einen Kunden auszuprobieren und amüsiere mich gerne auch einfach so. Wer hätte jemals gedacht, dass schlechter Humor gut fürs Karma ist?!

PS: Egal, wie stolz wir Schweizer auf den Namen dieser Apps sind: Sein Urspung hat es wahrscheinlich weniger in den Alpen als beim bekannten “Jodel-Diplom” in Deutschland. Loriot lässt grüssen - jaja, die Dütsche....

Bildquelle Titlelbild: http://www.watson.ch/imgdb/7cfa/Qx,B,0,0,1405,1190,585,495,234,198/47002...