Ich bin jetzt dann mal weg. Oder: How I’m getting back Gelassenheit

Ich bin jetzt dann mal weg. Oder: How I’m getting back Gelassenheit

geschrieben von suess

Ganz ehrlich: Das war knapp. Dies wird für einmal ein anderer Blogpost. Persönlicher. Er zeigt euch eine andere Seite von mir als die geschäftliche, businessrelevante. Eine herzliche, und damit verletzliche Seite. Aber auch diese gehört zum Aufbau einer Firma: Ohne Emotionen geht das nicht. Ohne Emotionen kann ich auch nicht leben, keine Projekte vorantreiben und unsere Mitarbeitenden zu Höchstleistungen anspornen.

 

Aber der Reihe nach. Gestartet sind wir ja im November 2012 - der Clemens aka Hofrat und ich. Zu zweit. Blauäugig. Na, die Welt hat doch auf uns gewartet ;-) Es ging etwas länger, aber irgendwann kamen dann auch die ersten spannenden Aufträge und die ersten vier Mitarbeiter - auf einmal. Wir sagten, dass machen wir nie mehr wieder. Es wird jedoch wieder soweit kommen. Bald. Und noch mehr. Aber das ist noch ein Geheimnis. Und es wird für Aufregung sorgen in der kleinen Schweizer Digital- und Zürcher Agenturlandschaft... Aber eben: Die ersten Mitarbeiter - das hat uns kräftemässig schon ziemlich ans Limit gebracht. Es folgten weitere grössere Aufträge, weitere neue Mitglieder im Team, dann ein Wahnsinns-Auftrag - jaaaa wirklich - und noch mehr Mitarbeiter. Wieviele es dann im September sein werden, wissen wir noch nicht so genau. Aber das tut auch nichts zur Sache - für diesen Blogpost auf jedenfall nicht. Und die Einleitung ist eigentlich bereits viel zu lang. Ihr müsst also noch etwas lesen…

Vor gut drei Wochen, machte mein Körper schlapp. Einfach so. Eigentlich nicht “einfach so”, aber ich habe ihm zu wenig Beachtung geschenkt. Vollgas, mit 220 durchs Leben. Ein Bierchen dort, eine Party da und dazu viel arbeiten und dabei Verantwortung tragen. Ich konnte wirklich nicht mehr. Die Flasche war leer. Ganz leer. Das musste ich mir zuerst einmal eingestehen. Und das war nicht ganz so einfach. Glücklicherweise aber noch nicht zu spät.

Ich habe mir viele Gedanken gemacht. Wir werden bei Hofrat Suess so einiges umstellen, aber auch ich persönlich muss und will und werde einige Sachen ändern. Und ich freue mich darauf. Es ist zwar nicht so einfach - als Steinbock ist man bisweilen etwas stur -, aber ich sehe viel Positives. Ich werde eine Reihe Blogposts zu meinen Ideen schreiben, weil ich denke, dass noch andere auch in dieser Situation stecken. Vielleicht erkennen sie ihre Verhaltensmuster anhand meiner Beispiele früher als ich - das würde mich sehr freuen.

Bereits vor einem halben Jahr habe ich das Buch “How to get Gelassenheit” von Patrick Lynen gelesen. Es ist eines der wenigen Bücher, die ich behalte. Wohl aus gutem Grund, weil ich es jetzt nochmals durchgeblättert habe.

Das Schöne ist, dass ich Gelassenheit lernen kann. Und ich will es lernen - natürlich so schnell wie möglich, wer mich kennt, weiss, dass ich so etwas von ungeduldig bin.

 

 

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Ein von Marc Suess (@2suess) gepostetes Foto am

 

Es braucht eine Bewusstseinsänderung: Weniger Hektik, Zeit bewusst planen und erleben, sich Pausen gönnen und die Zeit und die Erlebnisse schätzen. Am Abend gehe ich jetzt immer zu Fuss nach Hause. Und hey, es ist richtig schön - am Bach entlang, bei den Enten vorbei, Leute, die sich anschreien, Jungs, die cool sein möchten oder zumindest glauben es zu sein. Ich nehme viel mehr war und es tut so gut. Oder auch beim Mittagessen: Bewusst essen, die verschiedenen Geschmacksrichtungen wahrnehmen. Und auch das Bier schmeckt besser. Das gibt es nämlich immer noch. Und guten Kaffee. Und Gin, aktuell 9 Sorten im Office, mit 7 Sorten Tonic - some things won’t change.

Lynen provoziert in seinem Buch mit der Frage:

“Wann beginnst du dein Leben zu leben?”

Ich habe es wieder begonnen. Noch etwas zaghaft, weil die Kräfte erst wieder zurückkommen müssen, es bedarf Training und Übung. Aber ich freue mich auf die bevorstehende Zeit. Ich habe wieder an Zuversicht gewonnen und es ist schön zu spüren, dass auch die Freude wieder zurückkehrt.

“Indem du dich dem Gedanken öffnest, dass jede Erfahrung ihren Wert hat, öffnest du dein Leben für Gelassenheit, Vergebung und Vertrauen. Nimm an, was war. Akzeptiere, was dich gerade herausfordert.”

Dinge zu akzeptieren, die mich herausfordern. Das ist ein Erfolgsrezept. Und es funktioniert. Ihr könnt mir glauben, dass mich ganz viele Sachen gerade herausfordern. Wir stehen mit Hofrat Suess mal  wieder an einer Kreuzung und haben uns nicht für den einfachen Weg entschieden. Natürlich nicht, wäre ja langweilig. Es gibt jede Menge Herausforderungen, aber ich akzeptiere sie. Sie belasten mich so viel weniger. Und ich habe gelernt zu vertrauen. Vertrauen, dass es irgendwie schon gut kommt. Das mag komisch klingen, ist aber so.

“Alles hat nur die Bedeutung, die du ihm gibst.”

In meiner Welt heisst das auch, Prioritäten setzen. Ich muss nicht alles tun. Ich muss schon gar nicht all das tun, was andere von mir verlangen. Ich werde in Zukunft wieder mehr davon tun, was ich wirklich gerne mache und was ich ausgesprochen gut kann. Auf HoSü bezogen heisst das etwa, dass ich mich mit weniger Organisation und dem kaufmännischen Kram beschäftigen lasse. Dies wird an Bedeutung verlieren. Es gibt dafür auch jede Menge andere Bereiche, die an Bedeutung gewinnen werden: die Mitarbeitenden, meine Freunde, Sport, feines Essen erst einkaufen, dann kochen und schliessliche geniessen, und vieles mehr.

“Halte die Dinge nicht fest, lass sie los. Vertraue. Lass deinen Kopf nicht um die Vergangenheit oder die Zukunft kreisen. Sei einfach bei den schönen Dingen von heute, geniesse sie, sei dankbar dafür. Klebe nicht am Vergangenenen - und auch nicht am Zukünftigen. Vertraue. Löse dich davon, wenn sich etwas über längere Zeit nicht harmonisch anfühlt oder mit Freude verbunden ist. Vertraue. Denn wer krampfhaft an Dingen von gestern oder morgen festhält, hat die Hände nicht frei, um sein Leben im heute zu geniessen. Das Wesentliche ist jetzt. Wenn wir jede einzelne Begegnung als die eigentliche Aufgabe begreifen, hecheln wir nicht mehr mit hängender Zunge zukünftigen Dingen hinterher. Dann ist das jetzt die eigentliche Aufgabe, die deinem Herzen Erfüllung gibt.”

In meinem Kopf drehte sich fast alles um die Vergangenheit und die Zukunft: Was habe ich vergessen, was fehlt mir, was muss ich noch tun. Nonstop-Kopfkino - guter Schlaf? Fehlanzeige. Puls: Wollt ihr nicht wissen, ist am Ende aber auch egal. Der Text oben öffnete mir die Augen. Klar kann ich in meiner Verantwortung als Gründer und Suess von Hofrat Suess nicht nur im Hier und Jetzt leben. Ich muss natürlich planen, Langfristiges wie auch kurzfristige Angelegenheiten. Aber ich muss nicht während eines Meetings bereits wieder an fünf weitere Tasks denken. Ich darf auch einfach bewusst am Meeting teilnehmen, und das zeigt erst noch Wertschätzung gegenüber den Sitzungsteilnehmern. Seit ich versuche, diesem Muster zu folgen, sind meine innere Unruhe und der äusserliche Stress deutlich weniger geworden.

“Wenn du etwas wirklich willst, dann beginnne es jetzt. Es ist selten zu spät für etwas, das man sich wirklich wünscht.”

Ich lass euch dann mal wissen, was es damit in sich hat :-) Ich bin jetzt dann mal weg.
 

 

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