Drum your wish! Aus Visionen wird eine Startup-Strategie: Wishdrum

Drum your wish! Aus Visionen wird eine Startup-Strategie: Wishdrum

geschrieben von hofrat
wishdrum

Wishdrum ist Vieles: Startup, Kommunikationstool, Geolocation-Plattform, Klarnamen-Pseudonym-Anynom, Spass und Vergänglichkeit, Lifestyle und Shareconomy, interessengeleitet und gruppenorientiert.

Als im Februar diesen Jahres der Ideengeber Johannes “Hasi” Haseneder und Product-Owner und CEO Hans Bauer auf uns zukamen, gab es schon eine Version von Wishdrum und wir waren auserkoren, Social Media Marketing zu machen. Und es kam ganz anders - aber alles der Reihe nach.

Die Idee: Wishdrum?!

Alles begann in einer gemütlichen Sommernacht in Kreta, als die Idee entstand, dass es doch ein Bedürfnis sein könnte, Kommunikation nicht nur wie bisher über Profile, sondern eben neu auch über Orte zu ermöglichen. Als das Wishdrum-Team dann zu uns kam, war eine erste App quasi fertig, aber alles andere als nutzerfreundlich oder gar schön - und darauf hatte zu Zeiten von WhatsApp und Facebook Paper niemand gewartet.

Gleichzeitig bot sich im Frühling 2014 durch die Übernahme von WhatsApp durch Facebook und diverse Skandale und mehr oder weniger begründete Panikmacherei durch Medien ein Window of Opportunity: Es bestand Bedarf nach weiteren Kommunikationstools (Threema, Telegram etc), die mindestens gleich schnell und zuverlässig wie WhatsApp waren, aber zudem noch durch Sicherheit und Schutz der Privatsphäre punkten konnten.

Hofrat Suess destruktiv

Wir haben die ersten Flugansätze von Wishdrum einerseits gegroundet, andererseits unser Möglichstes gegeben, um dieses Schweizer Startup mit bayerischem Migrationshintergrund zum Abheben und um die Welt fliegen zu bringen. Als Hans Bauer uns gefunden hatte (danke Sam Steiner fürs Auflisten als Schweizer Social Media Agentur bzw. danke Frau_W und Roger fürs Reinreklamieren auf diese Liste) und uns als seinen Partner für Social Media Marketing haben wollte, mussten wir diese Ansinnen ablehnen: Zu einseitig war die bis dahin entwickelte App, viel zu viel techy, viel zu wenig designy, und gar nicht usy.

 

Hofrat Suess visionär

Beim ersten Meeting stellten wir die vielleicht tollkühne, aber wohl notwendige Forderung, dass ausschliesslich ein Neuansatz in Sachen Strategie, UX, Design und Technik ein Gesamtpaket werden könnte, das der wohl einzigartigen Grundidee am nächsten käme. In gemeinsamen und diskussionsreichen Workshops erarbeiteten wir grundlegende Alleinstellungsmerkmale, denn auf ein weiteres Kommunikationstool hatte im Jahr 2014 niemand gewartet. Location-based, interactive, ephemeral, secure & respecting privacy sollte Wishdrum neu werden. The next big thing - klar, das wollen alle, die sich im Techy-Startuppy-Socially-Money-Valley bewegen. Wir arbeiteten heraus, was an Wishdrum das eigentlich Bestechende wäre: Die Vereinigung von ortsbasierter, profilunabhängiger (von anonym, pseudonym oder mit echter Identität) und vergänglicher Kommunikation. Diese bietet viele mögliche Einsatzbereiche:

  • Kommunikation: 1:1, allgemein, privat, Gruppenchats
  • kaufen, verkaufen, tauschen, teilen (privat oder kommerziell) - Stichwort: Shareconomy
  • wünschen, schenken, weitergeben
  • Partnersuche und Dating
  • Finden von Gleichgesinnten, Sport- und Freizeitpartner
  • Mitfahrgelegenheiten, Zimmervermittlung (Couchsurfing)
  • Wissen teilen (Gesundheit, Tipps)
  • Events und Ausgehen
  • aktuelle Ereignisse, Nachrichten
  • politische Gesinnungen und Kundgebungen
  • soziale Dienste, soziale Dienstleistungen
  • Kampagnen und Revolutionen
  • und natürlich auch alles, was dunkel, schlecht, böse, geheim, ja illegal und verachtenswürdig ist.

Wer solche Visionen hat, sollte in der Regel zum Arzt gehen. Wir sind allerdings ans Werk gegangen.

Hofrat Suess konstruktiv

Aus dem ersten Auftrag (“Zeigt uns doch, wie ein geiles iOS-App für Wishdrum aussehen könnte!”) wurde ein zweiter (“UX, Design, Interaction-Design für iOS- und Android-App”) und dritter (“Wie würde denn die browserbasierte Version von Wishdrum aussehen?”) Auftrag. Das extrem sportliche Zeitkorsett und die Vielzahl der weiteren beteiligten Partner waren eine Herausforderung, die sich zu Beginn noch nicht deutlich herauskristallisierte. Unser Part war es, immer wieder auf die Vision zu verweisen, wenn die Diskussionen und (technischen) Entwicklungen abzudriften drohten. Dazu legten wir unsere Konzepte vor, fertigten Skizzen an, die sich zu Wireframes und Designs entwickelten.

Wir folgten der Maxime: Mobile First! und starteten daher auch mit dem iOS-App - einerseits, weil die Schweiz als Entry-Markt nach wie vor ein iPhone-Land ist, andererseits liessen sich die Anpassungen in Design und individuellen Funktionalitäten bei Android und in der Browserversion so deutlich konsistenter halten als bei einem jeweiligen Neuansatz.

Im Lauf der Zeit entwickelten sich diverse Constraints sowohl aus der Backend-Funktionalität heraus oder auch im Design, die dazu führten, dass gewisse Funktionalitäten erst für die weiteren Releases aufgenommen werden konnten.

 

Die Planung der (Launch-) Kampagnen für die Zielmärkte Schweiz (und Deutschland / Österreich) mussten wir aus Kapazitätsgründen bereits frühzeitig abgeben. Schade. Da wir ironischerweise gerade dafür vom Wishdrum-Team ursprünglich engagiert wurden. Immerhin konnten wir für die Launchphase und die Kampagnenplanung Ideen, Tipps, Empfehlungen und Erfahrungen aus NGO-Zeiten mit einbringen.

Hofrat Suess Glück und Ende

Ganz zu Ende führen konnten wir das Projekt leider nicht. Nach vielen langen Stunden des Projektmanagements, Skype-Diskussionen und Scrum-Planungen kam der Zeitpunkt, an dem selbst der reduzierte Hofrat-Suess-Stundensatz für Startups und der zusätzliche Rabatt nicht mehr ausreichten, um weitere Arbeiten zu finanzieren: Startup-Fundings sind leider endlich - und wir waren nicht mehr Teil von Wishdrum. Schade, denn bei einem Projektfortschritt von ca. 90% beim Android-App, 85% beim iOS-App und 70% bei Website und Browserversion bzw. nach den ersten Planungen bezüglich Launchkampagnen hätten auch wir gern gesehen, wie sich die Wünsche in alle Welt trommeln. Gern haben wir Wishdrum mit dem Barcamp Schweiz und dem darauffolgenden Barcamp Stuttgart jeweils noch zu Plattformen mit digitalen Influencern verholfen, um sich in der Open-Beta-Phase mit den vermutlich härtesten, aber wohlwollenden Kritikern auseinanderzusetzen.

We wish you a lot of drums!

Wir wünschen allen Drummerinnen und Drummern viel Spass, den Gründern, Erfindern, Entwicklern und Verantwortlichen das Glück, die richtigen Entscheidungen zu treffen - wir sind nach wie vor überzeugt, dass dieses Tool das Potenzial dazu hat, das Facebook, Twitter und Flickr des Arab Spring 2011, des Euromaidan 2013 oder das FireChat der Hongkonger Regenschirm-Proteste im Herbst 2014 zu werden und gleichzeitig WhatsApp als Messenger ablösen zu können.

Verantwortlichkeiten (solange wir dabei waren):

  • Strategie, Konzept, Design iOS-App, Android-App, Browser-Version, Website: Marc Suess, Clemens Schuster, Alexi Rapeaud / Hofrat Suess GmbH
  • technische Umsetzung Backend: Michael Dürgner / Sprucehill.io GmbH
  • technische Umsetzung iOS: Matthias Sala / Gbanga
  • technische Umsetzung Android: Matthias Schicker / Pockets United GmbH
  • technische Umsetzung Web: Harald Huber, Gernot Langenbeck / Sternwerfer Design
  • Projektleitung und Product Owner: Hans Bauer, CEO Wishdrum AG
  • Erfinder / Idee: Johannes Haseneder, Wolfgang Bauer

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