Berner Calendar: Relaunch eines klassischen Werkstattkalenders

Berner Calendar: Relaunch eines klassischen Werkstattkalenders

geschrieben von René
Berner Calendar Übersicht Screenshots

Pikant, pikant – die Bude an der Zürcher Langstrasse macht einen juicy Werkstattkalender digital… Wer so denkt, liegt leider falsch: Die Zeiten von nacktem Busen, schwellenden Muskeln und unzweideutiger Bildkomposition bei Premiumkalendern gehören den späten ‘80er- und frühen ‘90er-Jahren.

Es fing alles beim Content Strategy Camp 2014 in Dieburg an. Der Hofrat war für ein Wochenende in die deutsche Pampa an ein BarCamp gereist und kam am Montag mit einem potentiellen Kunden im Gepäck zurück ins Büro: Berner. Nein, nichts mit Schweiz und Bundeshauptstadt, sondern die Berner Group, ihres Zeichens einer der europäischen Marktführer in Sachen Direktvertrieb für das Bau- und Kfz-Handwerk. Hauptsitz ebenfalls in der deutschen Pampa (ich darf das sagen, weil ich auch aus selbiger komme).

Ähnlich wie Pirelli, Lambertz und Lavazza oder die Konkurrenz von Würth hat auch Berner einen Werkstattkalender im Angebot, welcher bei ihrer Kundschaft nicht minder beliebt ist. Und wohlgemerkt einen Frauen- und einen Männerkalender; beide eigens von Berner produziert. Simone Wieland aus der Corporate-Communications-Abteilung hielt am #cosca14 eine Session zum Thema “Ende der Homepage?”, vermutlich ohne zu ahnen, dass sie 10 Wochen später mit unserer Hilfe den Hebel für eine neue Website umlegen würden: berner-calendar.com. Die alte Seite war vollkommen flashbasiert, was den Frust erklärt. Es konnte also nur besser werden.

“Das Ende der Homepage?” – eine spannende Frage, zumal wenn es um Content und dessen strategische Verortung geht. Unserer Überzeugung folgend, dass Owned Media langfristig auf den Unternehmenserfolg einzahlen, ist der eigene Info-Hub gerade bei bildstarkem Content wie einem Monatskalender unerlässlich.

Zwei weitere Herausforderungen galt es bei der Entwicklung der neuen Content Strategie und deren digitaler Umsetzung zu bedenken: Das Storytelling und die Publikation.

  • Beim Storytelling stehen wir vor der Schwierigkeit, dass die Shootings für den neuen Kalender jeweils im Frühling des Vorjahres und komprimiert über nur wenige Tage oder Wochen stattfinden. Damit werden Point-of-View-Berichte, etwa aus Sicht der Models, des Fotografen oder der Crew authentisch nur auf den Zeitpunkt des Shootings beschränkt.
  • Der gedruckte Jahreskalender wird im Herbst produziert und von der Salesmannschaft in ganz Europa von Oktober bis Dezember an ausgesuchte Werkstätten abgegeben. Erfahrungsgemäss schauen alle sowohl den Männer- als auch den Frauenkalender durch und freuen sich auf die Monate mit den schönsten Bildern. Dass das digitale Publishing natürlich darunter leidet, weil der Neuigkeitseffekt fehlt, ist evident. Und allein schon die Tatsache, dass es “nur” einmal pro Monat etwas Neues zu sehen gibt, ist eine mittelgrosse Herausforderung.

Bei der technischen Umsetzung setzten wir abermals auf WordPress als CMS, da wir hier die meiste Erfahrung und auch bereits diverse Pluginlizenzen haben. Aufgrund des begrenzten Budgets und des engen Zeitkorsetts konnten wir allerdings nicht allzu viel Zeit und Geld in ein eigens designtes Theme investieren.

Für den aktuellen Kalender waren sowohl eine Übersicht wie auch die Kalenderblätter als Einzelansicht mit Interaktionsmöglichkeiten wichtig. Für die Übersicht kommt nun eine Slidergalerie zum Einsatz. Die einzelnen Kalenderblätter haben wir jeweils als Blogposts angelegt, welche über die Galeriebilder in der Übersicht verlinkt sind. Dort findet dann die Interaktion statt: Minimalinteraktion über ein <3, natürlich Kommentieren sowie Social Share. Die vergangenen Kalenderjahre mussten wiederum in einem Archiv zugänglich gemacht werden, was wir mittels Portfolios lösten. Es gibt eine Gesamtübersicht, in der alle Jahre aufgelistet sind und jedes Jahr hat einen eigenen Portfolioeintrag mit den monatlichen Fotos als Slider. Der Blog wird zusätzlich für gelegentliche Hintergrundinfos verwendet und wird für die “Berichterstattung” vom Shooting für den Kalender 2016, welches in etwa sechs Wochen stattfindet, ein zentrales Element sein.

Das Menü der Website lässt sich in jeder Ansicht nur über einen Button aufrufen, was uns vor das Problem der Navigation sowohl bei der Mehrsprachigkeit als auch bei der Kalenderversion (Männer vs. Frauen) stellte. Die Lösung bestand darin, das Menü per Default geöffnet zu haben, wenn man über die Homepage einsteigt. Somit landet man mit einem einzigen Klick eben dort, wo man hin wollte.

Da ein Kalender sehr bildlastig ist, ist es auch dessen Website, vor allem wenn bereits auf der Einstiegsseite der gesamte Jahreskalender mit 15 Fotos dargestellt wird. Wir mussten also einen Kompromiss zwischen Bildqualität und Ladegeschwindigkeit eingehen. Immerhin kommt 50 Prozent des Traffics über mobile Geräte und dort ist eine Seitengrösse von über 20 Megabyte nicht gerade erstrebenswert. Jetzt sind wir bei den Ladezeiten zwischen ein und zwei Sekunden und die Website hat im Monatsdurchschnitt einen Apdex-Wert von 0.89. Ein weiterer Knackpunkt war, dass alle Fotos ausschliesslich im Hochformat vorhanden sind, was sich für die Umsetzung für Desktopbrowser als etwas tricky herausstellte. Auf Mobile sind Hochformatfotos durchaus praktischer, aber am Desktop geht dadurch sehr viel “Real Estate” verloren.

Das Theme, das wir schlussendlich verwendet haben, ist noch relativ jung und hatte deshalb den ein oder anderen Bug. Aber der Support war sehr gut und unsere dutzend Anfragen bezüglich Bugfixes und Feature Requests wurden allesamt prompt und kompetent beantwortet. Wir möchten uns auch bei Michael Kalina bedanken, der uns bei der Umsetzung der Footer Widgets behilflich war, da diese nicht standardmässig vom Theme unterstützt wurden.

Mit dem diesjährigen Shooting für den Kalender 2016 soll der Storytellingansatz noch verstärkt werden. Sowohl die Models als auch die Crew könnten auf der neuen Website eine Plattform bekommen, wo sie sich und ihr Shooting zur Selbstdarstellung und -vermarktung nutzen könnten, dazu Hintergrundberichte und witzige Sidestories. Weiter verfolgt Berner den Ansatz Richtung Premium – statt unverblümter Nacktheit setzen sie weiterhin auf ästhetische Bilder. Auch könnten die beiden Kalender korrespondieren, nicht nur im allgemeinen Setting, sondern vor allem beim Shooting und der erzählten Story, bis hin zur ironischen Umwertung von Genderklischees. Man darf gespannt sein!

Unsere Zusammenarbeit mit Berner ist allerdings nicht mit dem Launch der neuen Website beendet. Wir werden die nächsten Kalender konzeptionell mitgestalten und dem Social-Media-Konzept auf die Sprünge helfen. Und ich werde meine Ferien im April eventuell mit einem Besuch am Set des Shootings für 2016 verbinden: Los Angeles, USA. Because I can.

Kleines Post Scriptum: Ein Einblick in die Bulk Image Optimization, wie die Kalenderbilder der letzten Jahre verarbeitet wurden. Photoshops “Batch Automate”-Scripts machen’s möglich.